MULTIVERSE - neurodiversity in the performing arts
Vorhaben
MULTIVERSE – neurodiversity in the performing arts ist eine von der compagnie O. initiierte Wissens-, Vernetzungs- und Austauschplattform zum Thema Neurodivergenz in den darstellenden Künsten. Im Zentrum stehen drei Themenschwerpunkte: Networking, Diffusion und Touring. In ko-kreativen Formaten erarbeiten Kulturschaffende und Veranstalter:innen gemeinsam Werkzeuge und Handlungsempfehlungen, die anschliessend gebündelt, aufbereitet und öffentlich zugänglich gemacht werden. Das Projekt läuft 2026/27 und wird unter anderem von Migros-Kulturprozent m2act («Sharing is Caring») gefördert.
Kurz gesagt
MULTIVERSE ist ein Projekt von der compagnie O. Es geht um Künstler*innen, die anders denken oder fühlen – zum Beispiel bei Autismus oder ADHS. MULTIVERSE hilft, dass sie gut in Kunst und Kultur arbeiten können.
Strukturelle Barrieren
In den letzten Jahren wurden in den darstellenden Künsten Fortschritte bei der Inklusion behinderter Menschen erzielt. Trotzdem fehlt das Bewusstsein für unsichtbare Behinderungen wie Autismus, ADHS oder Neurosensitivität - oft dort, wo sie auf subtilen Ebenen wirken: bei der Weltwahrnehmung, im Zusammengehörigkeitsgefühl oder im Kommunikationsstil.
Das zeigt sich konkret in den drei Schwerpunkten. Beim Networking sind kulturelle Anlässe oft laut, reizüberflutend und stark von ungeschriebenen sozialen Normen geprägt – das erschwert den Zugang zu genau den Räumen, in denen sich berufliche Kontakte bilden. Bei der Diffusion bleiben viele Anfragen an Veranstaltungsorte unbeantwortet und Kurationskriterien sind oft intransparent – eine Hürde für Künstler:innen allgemein, die zusätzlich ins Gewicht fällt, wenn die Kommunikationskapazität eingeschränkt ist. Beim Touring kommen ungewohnte Umgebungen, geteilte Unterkünfte, Zeitdruck und wechselnde Ansprechpersonen zusammen – Faktoren, die Reisen und Gastspiele aufwändig und anstrengend machen. In der Summe wird es dadurch schwer, mit Veranstalter:innen in Kontakt zu treten, Projekte zu präsentieren und sich zu vernetzen – mit Folgen für die langfristigen beruflichen Chancen.
Motivation & Hintergrund
Initiiert wird MULTIVERSE von der compagnie O. – einem neurodiversen Team unter neurodivergenter Leitung, das im Projekt als Betroffene und Selbstvertreter:innen spricht. Neurodiversität ist zentraler Bestandteil der künstlerischen Arbeit der compagnie O., die von 2024 bis 2027 eine Konzeptförderung der Stadt Zürich für das Langzeitvorhaben «MULTIVERSE | atypische Perspektiven» erhält. Seit 2023 beschäftigt sich die Kompanie zudem intensiv mit Zugänglichkeit für neurodivergente Künstler*innen – in der eigenen Probenarbeit ebenso wie in der Access-Dramaturgie für Zuschauer*innen. Das partizipative Gesprächsformat «Hosting the Multiverse», bei dem neurodivergente Menschen selbst als Expert*innen auftreten, wurde bereits seit 2024 mehrmals erfolgreich durchgeführt – zum Beispiel im Kulturhaus Helferei, an der Zürcher Hochschule der Künste und im Tanzhaus Zürich. MULTIVERSE baut auf diesem Erfahrungswissen auf und entwickelt es 2026/27 in sechs weiteren Editionen mit Kulturakteur*innen an verschiedenen Partnerorten weiter, u. a. an der Gessnerallee Zürich, im Kulturhaus Helferei und bei TanzPlan Ost.
Wie wir arbeiten: Labs, Workshops und Outputs
Kernformat des Projekts ist «Hosting the Multiverse»: 2026/27 finden sechs Editionen statt, je zwei zu jedem der drei Themenschwerpunkte. Jedes Paar besteht aus einem Lab und einem Workshop. Labs sind geschlossene Gruppen von bis zu 10 Personen auf Einladung – Kulturschaffende, Betroffene und Veranstalter*innen arbeiten hier gemeinsam, die Teilnahme wird fair entlöhnt. Workshops sind die öffentliche Fortsetzung desselben Formats für ein breiteres Publikum. In beiden Formen geht es zuerst um das Benennen struktureller Barrieren und Ausschlussmechanismen, danach um das gemeinsame Entwickeln von Strategien und Handlungsansätzen.
Das so entstandene Wissen wird gebündelt und in konkreten Outputs aufbereitet: ein Access Rider fürs Touring, ein Booklet «Neurodiversitäts-freundliches Networking», ein Leitfaden für peer-geleitete Formate, eine Dokumentation des Diffusionsnetzwerks sowie eine dreisprachige Website (DE/FR/EN). Alle Outputs stehen der gesamten Kulturlandschaft kostenlos zur Verfügung – über den Projektzeitraum hinaus.
Ziel
Ziel von MULTIVERSE ist eine Kulturlandschaft, in der neurodivergente Kulturschaffende gleichberechtigte und sichtbare Akteur*innen sind. Die Werkzeuge und Handlungsempfehlungen aus den Labs und Workshops stehen im Dienst dieses Wandels: Kulturinstitutionen, Veranstalter*innen und Ausbildungsstätten werden für das Thema sensibilisiert, neurodivergente Künstler*innen bauen Netzwerke auf und erhalten Zugang zu konkreten Tools für barriereärmere Arbeitsweisen. So entstehen nachhaltige Strukturen, die über den Projektzeitraum hinaus wirken.
Partnerinstitutionen: Gessnerallee Zürich, Zürcher Theaterspektakel, Kulturhaus Helferei, TanzPlan Ost, AVDC - Association Vaudoise de Danse Contemporaine
MULTIVERSE wird gefördert durch Migros-Kulturprozent m2act, Stadt Zürich Kultur, Cassinelli-Vogel-Stiftung.
ENGLISH
MULTIVERSE – neurodiversity in the performing arts
MULTIVERSE – neurodiversity in the performing arts is a knowledge, networking and exchange platform initiated by compagnie O., focused on neurodivergence in the performing arts. It centres on three areas: networking, diffusion and touring. Through co-creative formats, cultural practitioners and venue representatives jointly develop tools and recommendations, which are then compiled, prepared and made publicly available. The project runs through 2026/27, supported by Migros-Kulturprozent m2act ("Sharing is Caring").
Structural barriers
Recent years have brought real progress on disability inclusion in the performing arts. Still, awareness of invisible disabilities such as autism, ADHD or high sensitivity, however, has ground to cover where they play out on subtler levels – how a room feels, how belonging is signalled, how communication is expected to work.
This plays out concretely across the three focus areas. Networking events tend to be loud, sensorially intense and shaped by unwritten social conventions, which makes it harder to reach the very spaces where professional contacts form. In diffusion, many outreach emails to venues go unanswered and curatorial criteria are often unclear – a barrier for artists in general, and one that adds an extra layer of difficulty when communication capacity is already limited. Touring combines unfamiliar environments, shared accommodation, time pressure and changing points of contact – factors that make travel and guest performances demanding. Together, these factors make it hard to connect with venues, present work and build a network, with knock-on effects for long-term professional opportunities.
Motivation and background
MULTIVERSE is initiated by compagnie O. – a neurodiverse team under neurodivergent leadership, speaking in this project as those affected and as self-advocates. Neurodiversity is central to compagnie O.'s artistic work more broadly: from 2024 to 2027, the company receives concept funding from the City of Zurich for its long-term project "MULTIVERSE | atypische Perspektiven." Since 2023, the company has also worked intensively on accessibility for neurodivergent artists, both in its own rehearsal practice and in access dramaturgy for audiences. Its peer-led exchange format "Hosting the Multiverse" – in which neurodivergent people act as experts on their own experience – already ran three times successfully in 2024, at Kulturhaus Helferei, Zurich University of the Arts (ZHdK) and Tanzhaus Zürich. MULTIVERSE builds on this accumulated experience, developing it further in 2026/27 through six new editions with cultural practitioners at several partner venues, including Gessnerallee Zürich, Kulturhaus Helferei and TanzPlan Ost.
How we work: Labs, Workshops and Outputs
The project's core format is "Hosting the Multiverse": six editions take place in 2026/27, two for each of the three focus areas. Each pair combines a Lab and a Workshop. Labs are small, closed-group sessions by invitation, for up to 10 participants – cultural practitioners, those affected and venue representatives work together, with fair pay for participation. Workshops are the public continuation of the same format, open to a wider audience. Both formats begin by naming structural barriers and exclusion mechanisms, then move into jointly developing strategies and practical approaches.
The resulting knowledge is bundled and developed into concrete outputs: a touring access rider, a booklet on neurodivergent-friendly networking, a guide to running peer-led formats, documentation of the diffusion network, and a trilingual website (DE/FR/EN). All outputs are freely available to the wider cultural field, beyond the life of the project.
Goal
MULTIVERSE works toward a cultural landscape in which neurodivergent artists are equal and visible actors. The tools and recommendations developed in the Labs and Workshops serve that broader shift: cultural institutions, venues and training institutions become more aware of the topic, neurodivergent artists build networks, and concrete tools for lower-barrier ways of working become available across the field. The result: sustainable structures that outlast the project itself.
Partners: Gessnerallee Zürich, Zürcher Theaterspektakel, Kulturhaus Helferei, TanzPlan Ost, AVDC - Association Vaudoise de Danse Contemporaine
MULTIVERSE is supported by Migros-Kulturprozent m2act, Stadt Zürich Kultur, Cassinelli-Vogel-Stiftung.